Neurofeedback-Trainingsbericht von Iris H.

von Mag. Alexandra Rauter & Viktoria Spätauf, MSc.

Im Zeitraum von 24.07.2018 bis 22.05.2019 besuchte die 12-jährige Iris 40 psychologische Behandlungen, welche durch Neurofeedback und Safe and Sound-Protocols ergänzt wurden. Iris H. lebt seit ihrem dritten Lebensjahr in einer Pflegefamilie in Graz und leidet vor der Behandlung an einer Vielzahl belastender Symptome. Unter anderem Schlafstörungen, Defizite in Aufmerksamkeit und Lernen, häufiges Weinen sowie genereller Unruhe und zwanghaften Verhaltensweisen. Die Probleme erschwerten das familiäre Zusammenleben, weshalb die Pflegemutter, Frau F. professionelle Hilfe aufsuchte.

Therapieziele: Was wollen wir gemeinsam erreichen

Im Erstgespräch wurden folgende Ziele gemeinsam definiert:

  • bessere Selbstregulierungsfähigkeit des Gehirns
  • bessere Impulskontrolle
  • weniger Zwangshandlungen
  • höhere Frustrationstoleranz
  • bessere Selbstwahrnehmung
  • weniger Angst
  • Verbesserung der Exekutivfunktionen

Therapieverlauf: Neurofeedback und psychologische Behandlung

Vor Beginn der ersten Neurofeedback-Sitzung wurde eine ausführliche Diagnostik durchgeführt. Dabei durfte Iris H. (gemeinsam mit Pflegemutter Frau F.) ihre Symptome aus folgenden Kategorien: Schlaf, Aufmerksamkeit und Lernen, Sensorik, Verhalten, Emotionen, Schmerz und physische Ebene auf einer Skala von 0 (keine Beschwerden) bis 10 (ganz schlimme Beschwerden) zu bewerten. Wie in der folgenden Abbildung ersichtlich, wurden einige Symptome sehr hoch bewertet, haben sich jedoch bereits nach 20 Sitzungen deutlich verbessert. Aufgrund einer sehr starken Anfangssymptomatik sowie eines Rückfalls inmitten der Behandlung, wurde die Behandlung um 20 weitere Trainings erweitert und um das Safe and Sound-Protocol nach Dr. Porges ergänzt. Die folgende Abbildung zeigt den allgemeinen Symptomverlauf, gemessen zu drei Zeitpunkten: vor Trainingsbeginn, nach 20 Sitzungen, nach 40 Sitzungen.

Ergebnisse: positive Folgen des Neurofeedback-Trainings

Vor allem in den Kategorien Aufmerksamkeit und Lernen, Wahrnehmung und Verhalten sowie auf emotionaler Ebene erzielte Iris H. die größten Fortschritte. Wie in der Grafik links zu sehen, konnten durch das Neurofeedback-Training belastende Symptome wie „Schwierigkeiten klar zu denken“, „Ablenkbarkeit“ oder „schwaches Ausdrucksvermögen“ von einer anfänglichen 10 auf 1-3 reduziert werden. Des Weiteren zeigten sich deutliche Verbesserungen in diversen Verhaltensweisen wie „häufiges Weinen“, „Suchtverhalten“ und „Nägelkauen“. Die meisten positiven Veränderungen im emotionalen Bereich erzielte Iris H. innerhalb des „sozialen und emotionalen Bewusstseins“, der „Fähigkeit sich zu beruhigen“ sowie der Möglichkeit „emotional reaktiv“ zu sein.

Laut Angaben von Frau F. und Iris H. profitierte das Mädchen sehr von der bisher durchgeführten Therapie. Iris schlafe besser, sei weniger ängstlich und trotzig. In schwierigen Situationen kann sie sich besser beruhigen und der (familiäre) Alltag läuft seither deutlich besser. Ein zusätzlicher Faktor ist, dass Iris H. das Neurofeedback-Training Spaß macht. Die Arbeit am „positiven Selbstkonzept“ hat bisher Wirkung gezeigt und wird vermutlich einmal pro Monat weitergeführt.

Objektive Ergebnisse mittels QIK-Test

Der QIK-Test ist ein 21-minütiger Daueraufmerksamkeitstest. Er misst mit über 600 Reaktionen mit sehr hoher Genauigkeit die Verlaufsfortschritte der Behandlung im Bereich Daueraufmerksamkeit, Ablenkbarkeit und Reaktionsgeschwindigkeit. Iris H. führte diesen Test im Zuge der Eingangsdiagnostik sowie nach 14 und 26 Neurofeedback-Sitzungen durch. Iris H. wurde durch das Training in ihrer Reaktion generell ein wenig schneller und konnte die Variabilität der Reaktionszeit deutlich von durchschnittlich 111ms auf ca. 80ms minimieren. Dies indiziert ein gut reguliertes Nervensystem. Iris H. machte bereits in der zweiten Testung deutlich weniger Kommissionsfehler (= eine Reaktion ist nicht gefordert – trotzdem wird die Taste gedrückt, siehe Abbildung rechts), die Ausdruck einer mangelnden Impulskontrolle sind.

Fazit

Wir bedanken uns bei Iris H. und ihrer Pflegemutter Frau F. für das entgegengebrachte Vertrauen sowie die Erlaubnis, ihre Geschichte mit all den Lesern zu teilen. Selbstverständlich wurden Name und weitere demografische Daten abgeändert, sodass die Anonymität unserer Klienten gewahrt wird. Wenn auch Sie etwas in Ihrem Leben verändern möchten, zögern Sie nicht. Melden Sie sich bei uns und starten Sie mit dem Neurofeedback-Training. Wir freuen uns, Sie kennen zu lernen.

Noch nicht überzeugt? Dann lesen Sie gerne noch weitere Erfahrungsberichte.