Erkenne wer du bist und genieße es!

von Viktoria Spätauf, MSc.

Tag ein Tag aus stellen wir uns die Frage, ob wir gut genug sind. Sei es in der Arbeit, im Umgang mit geliebten Menschen oder wenn wir einen flüchtigen Blick in den Spiegel wagen. Wir bewerten unser selbst – und oftmals fällt dieses Urteil negativ aus. Wir ärgern uns über Fehler, bemängeln unser Aussehen und stellen unsere Fähigkeiten in Frage. Den Nutzen dieser Abwertung werden Sie jetzt vermutlich als unzureichend einschätzen. Denn Sie wissen, dass unser Selbstwert ein wichtiger Faktor unseres Wohlbefindens ist. Fast alle psychischen Probleme und Krankheiten gehen mit einem mangelnden Selbstwertgefühl einher. Wir fördern unsere Gesundheit nicht, indem wir uns in ein schlechtes Licht stellen. Ganz im Gegenteil: wir springen in eine Negativspirale, die zu Selbstwertproblemen und im äußersten Fall zu psychischen Krankheiten führen kann. Infolgedessen werden wir in der Arbeit keine besseren Leistungen erzielen oder unser Spiegelbild lieber ansehen. Und trotzdem wir das alles wissen, ist eine Veränderung so unglaublich schwer: sich selbst zu bestärken, das Positive im Alltag zu erkennen und sich auf das eigene Können zu besinnen. Wann haben Sie sich zum letzten Mal auf die Schulter geklopft und „gut gemacht“ gesagt? Kommen Sie von der Arbeit heim und erzählen Ihren Liebsten die positiven Erlebnisse des Tages? Wie häufig freuen Sie sich über die gesunden und funktionsfähigen Teile Ihres Körpers, wenn Sie sich im Spiegel betrachten?

Verstehen Sie mich nicht falsch. Sich in Frage zu stellen und das eigene Tun kritisieren zu können, ist eine leistungsfördernde Fähigkeit. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was passieren würde, wenn wir uns für jede Dummheit des Tages plötzlich anfangen zu loben. Ich spreche hier nicht davon, sich gedankenlos selbst zu verherrlichen. Vielmehr geht es darum, sich selbst ein guter Freund und Wegbegleiter zu sein – neben ehrlicher und effizienter Kritik auch daran zu denken, sich selbst zu umarmen und auf sich Acht zu geben. Wie wahre Freunde es eben so tun.

Stärke deine Stärken – das fühlt sich doch gut an!

Nehmen Sie sich eine Stoppuhr zur Hand. Zusätzlich Stift und Papier. Drücken Sie auf „Los“ und schreiben Sie 5 Dinge auf, die Sie an sich selbst nicht ausstehen können. Das, was Sie an sich selbst über Nacht ändern würden, wenn Sie zaubern könnten. Und dann drücken Sie auf Stopp. Fertig? Gut. Ich hoffe Sie haben die Zeit notiert.

Denn das Gleiche wiederholen wir nun mit den positiven Anteilen Ihrer Selbst. Was lieben Sie an sich? 5 Dinge. Stoppen Sie die Zeit und legen Sie los. Und notieren Sie bitte auch hier, wie lange Sie gebraucht haben.

Üblicherweise fällt Ihnen die Bearbeitung der ersten Aufgabe leichter und sie haben schneller die negativen Dinge parat. Denn so sieht unser Alltag oft aus. Wir vergessen, was wir gut können und wofür wir stehen. Sich daran zu erinnern, kann wohlwollende Gedanken und positive Gefühle auslösen. Das selbstwertsteigernde Gespräch mit uns selbst soll geübt sein. Probieren Sie es einfach aus. Schreiben Sie sich täglich 2-3 positive Gedanken auf kleine Kärtchen. Ob es Aussagen zu Ihren Fähigkeiten oder erfreuliche Ereignisse des Tages sind, ist vollkommen egal. Wichtig ist, dass diese Notizen Ihre Stärken betonen und Ihnen gegenüber ein wertschätzendes Gefühl auslösen. Sammeln Sie diese Kärtchen und legen Sie diese am Ende der Woche in der Form eines Kreises auf den Boden. Zu guter letzt können Sie sich nun in die Mitte des Kreises stellen und Ihre Stärken bewusst wahrnehmen. Ganz nach dem Motto: „Erkenne, wer du bist und genieße es“. Fühlt sich das nicht gut an?

Selbstwertsteigerung üben mit einem passenden Trainer

Wie bereits angedeutet, ist der Aufbau eines positiven Selbstbildes das Ergebnis harter Arbeit. Je länger wir einen negativen, abwertenden Umgang mit uns selbst pflegen, desto schwieriger fällt es uns, diese Gewohnheit abzulegen und andere Wege zu beschreiten. Neues zu erlernen bedeutet viel Übung – Selbstwertsteigerung bedeutet Training! Erinnern Sie sich zurück: Wie lange haben Sie als Kind gebraucht, bis Sie Lesen und Schreiben konnten? In der Volksschule waren Sie nicht dafür bekannt, Shakespeare-ähnliche Theaterstücke zu verfassen. Nein. Sie haben Buchstabe für Buchstabe zusammengesetzt, Wort an Wort gereiht, bis die zusammengefügten Sätze eine Geschichte erzählten und Sie diese laut vorlesen konnten. Ein fortlaufender Prozess mit Höhen und Tiefen, Fortschritten und Rückschlägen – doch am Ende haben Sie es geschafft! Sich beim Erlernen neuer Fertigkeiten Unterstützung zu suchen, ist üblich. Wir möchten Klavierspielen können wie Lang Lang – also nehmen wir Musikunterricht bei einem ausgebildeten Lehrer. Wir möchten Skifahren können wie Marcel Hirscher – schon haben wir uns bei der besten Skischule des Landes angemeldet, um in ein paar Jahren die Streif hinunter zu fahren. Wenn Sie einen positiven Umgang mit sich selbst anstreben oder psychisch gesund werden wollen, ist es doch naheliegend mit einem Experten auf diesem Gebiet zu trainieren. Oder? Ob mit Psychotherapie, Coaching oder Neurofeedback-Training – unser Angebot professioneller Unterstützung ist groß. Gemeinsam erarbeiten wir neue Sichtweisen und begleiten Sie auf dem neuen Weg zu Ihrem Selbst.

“Wenn du willst, was du noch nie gehabt hast, dann tu, was du noch nie getan hast”
(Nossrat Peseschkian, 2002)