von Viktoria Spätauf

Stressfrei zu einem krisenstarken Immunsystem!

In Zeiten der Corona-Krise lautet das übergestellte Ziel: Gesund bleiben bzw. gesund werden! Per Definition bedeutet Gesundheit nicht nur die Abwesenheit von Krankheit (1). Vielmehr ist es ein Zustand körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens ergänzend zum Fehlen einer Erkrankung bzw. eines Gebrechens (2). Die körpereigene Abwehr von externen Risikofaktoren wie Viren und Bakterien wird durch unser Immunsystem gesteuert. Kaum verwunderlich, dass in Zeiten der Corona-Krise Ernährungs- und Bewegungstipps zur Stärkung der Immunabwehr heiß begehrt sind. Doch warum sollten Sie besonders in dieser Zeit auf Ihre psychische Verfassung achten? Können wir Kraft unserer Seinszustände unser Immunsystem stärken? Die Antwort lautet JA! Aus der psychoneuroimmunologischen Forschung wissen wir, dass unser zentrales Nervensystem im ständigen Austausch mit unserem Hormon- und Immunsystem steht (3). Dabei zeigen die Ergebnisse ein klares Bild: nämlich dass wir Kraft unserer Gedanken und Erwartungen unsere Körperphysiologie verändern können (4). Stressreduktion und Steigerung unseres  Wohlbefindens können dabei zu einem stabilen und krisenstarken Immunsystem beitragen.

Dauerstress = Gift für unser Immunsystem

Wie bereits oben erwähnt ist unser Immunsystem dafür zuständig, auf äußere Einflüsse entsprechend zu reagieren (= Abwehr von Viren, Bakterien, etc.), um unsere körperliche Balance zu sichern (Homöostase) und gesund zu sein. Krankheit könnte man somit als Kompetenzverlust unseres Immunsystems bezeichnen, auf Umwelteinflüsse adäquat zu reagieren. Wenn wir mit inneren Stressoren und Ängsten beschäftigt sind, wie soll unser Immunsystem zeitgleich hartnäckige Viren abwehren? Es scheint wenig überraschend, dass in vielen Biografien chronisch kranker Menschen kritische, traumatische Lebensereignisse und chronischer Stress zeitnah zum Erkrankungsbeginn zu finden sind (3). Das bedeutet für Sie: Wenn Sie keine Möglichkeiten haben hinaus zu gehen – Nutzen Sie doch die Gelegenheit und gehen nach innen, um Ihre Stressoren und Ängste anzuschauen und gezielt an diesen zu arbeiten.

Coronavirus als Stressfaktor

Die aktuelle Situation um den Corona-Virus stellt für viele von uns eine große Herausforderung da. Manch einer arbeitet noch mehr als zu vor – manch einer übt sich zu Hause in Geduld – manche Beziehung wird auf die Probe gestellt – manch einer wird durch die 24-Stunden-Anwesenheit der Kinder gefordert – manch einer spürt die Einsamkeit und Langeweile – wiederum andere kämpfen mit Ängsten und Erkrankungen … was diese Leute gemein haben: Sie empfinden die aktuelle Situation als Belastung. Covid-19 sorgt bei ihnen für Stress. Doch Stress ist nicht Gott gegeben! Er entsteht in unserem Gehirn, durch Bewertung der Situation. Diese persönliche Bewertung ist maßgeblich beeinflusst durch unsere genetischen Anlagen, Erfahrungen, Ressourcen und erlernten Copingstrategien (5).

Auswirkungen von Cortisol und Katecholaminen auf die Immunabwehr

Haben wir die Covid-19 Situation als Stress bewertet, so werden im Körper zwei Achsen aktiviert. Rechts sehen Sie eine vereinfachte Darstellung. Auf der einen Seite wird durch den Hypothalamus der Sympathikus aktiviert, der die Produktion von Adrenalin und Noradrenalin (=Katecholamine) im Nebennierenmark ankurbelt. Die Ausschüttung dieser Hormone sorgt für erhöhten Blutdruck und Aktivierung von Kreislauf und Muskeln. Auf der anderen Seite wird durch die Hypothalamus-Hypophysen-Achse das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet. Folglich wird unter anderem die Immunreaktion unterdrückt und die Schmerzempfindlichkeit gesenkt (6). Diese evolutionär bedingte Kampf-und Flucht-Reaktion ist wichtig. Wenn wir uns beispielsweise in akuter Gefahr befinden, so versetzt uns diese Stressreaktion in einen Überlebensmodus. Die Kehrseite der Medaille: wenn unsere Stressachse ständig unter Strom steht, werden Stresshormone am laufenden Band produziert und gefeuert – wir haben den Eindruck, uns permanent über Wasser halten zu müssen. Zeitgleich wird die Immunabwehr gegenüber äußeren Faktoren heruntergefahren und wir sind anfälliger für Erkrankungen (3). Das Infektionsrisiko für den Coronavirus steigt.

Forschungsergebnisse zu Stress, Wohlbefinden und Immunsystem

Besonders Personen, die sich um pflegebedürftige Angehörige kümmern, sollten in der laufenden Corona-Krise auf Ihre Bedürfnisse und ihr Stressmanagement achten. Denn laut wissenschaftlicher Studienlage führt dieser „Pflegestress“ zu vorschnellem Altern des Immunsystems mit erhöhtem Krankheitsrisiko sowie einer allgemein geringeren Lebenserwartung. (7, 8). Auch für erkrankte Personen macht in jedem Fall Sinn, sich in einen gesundheitsförderlichen Zustand zu bringen und zu lernen, mit der Situation konstruktiver umzugehen. Das ist definitiv kein leichtes Unterfangen, aber denken Sie daran: Sie sind verantwortlich für Ihre Gedanken und Ihre Emotionen. Denn während andauernder Stress die Wundheilung verzögert (9) und die Genesungswahrscheinlichkeit (10) senkt, können Optimismus (11) und positive Affekte wie Dankbarkeit und Fröhlichkeit unser Immunsystem stärken (3). Auch ein stabiler Selbstwert sowie die Aufrechterhaltung von sozialen Beziehungen stützen unsere Immunabwehr (12). Weitere hilfreiche Faktoren zur Reduktion von Stress und zeitgleich Steigerung von Wohlbefinden sind: Sport und Bewegung (13), gesunde Ernährung (14) und ausreichend erholsamen Schlaf (15).

Ziel: Stress reduzieren & Wohlbefinden steigern!

Warum ich Ihnen das erzähle? Weil ich davon überzeugt bin, dass wir Kraft unserer Seinszustände unseren Körper stärken und durch eine erhöhte Geist-Körper-Verbindung mehr Gesundheit und Wohlbefinden erlangen können (4). Nutzen Sie doch diese herausfordernde Situation rund um den Coronavirus und üben Sie sich in folgenden Bereichen:

  • Üben Sie sich in Meditation! 
    Die Art und Weise ist weniger wichtig wie die Regelmäßigkeit. Übung mach den Meister. Und es gibt unzählige Studien, die Meditationspraxis mit psychischer Gesundheit und Wohlbefinden in Verbindung bringen.
  • Üben Sie sich in „Positiv Denken“!
    Wie bereits erwähnt, können wir Kraft unserer Gedanken unser neuronales Netz und infolge weiterer Schritte sogar unsere Körperphysiologie verändern.
  • Üben Sie sich in positiven Emotionen!
    In meinem Blogbeitrag zum Glücksvorteil habe ich Ihnen die Wichtigkeit von Dankbarkeit, Freude und Glück im Zusammenhang mit unserer psychischen Gesundheit erläutert. Vielleicht sollten Sie ihr Wissen gleich auffrischen und einen Blick darauf werfen.
  • Üben Sie sich in Humor
    „Lachen ist die beste Medizin“. Wenn Ihnen gerade nicht zum Lachen zu Mute ist, dann drehen Sie den Spieß doch einfach um. Ziehen Sie solange die Mundwinkel hoch und lachen, bis Sie Ihrem Gehirn gezeigt haben, dass Sie Spaß haben wollen. Denn auch in die umgekehrte Richtung funktioniert unsere Geist-Körper-Verbindung. Probieren Sie es gerne aus!

Mehr Infos zum krisenstarken Immunsystem gefällig?

Sind Sie interessiert, sich zur außergewöhnlichen Geist-Körper-Verbindung in Bereichen der Neurowissenschaft, Epigenetik und Psychoneuroimmunologie weiterzubilden?

Lesetipp: Dr. Joe Dispenza „Du bist das Placebo“ + Praxisbuch „Das neue Ich“

Filmtipp: „Heal“

„… weil der menschliche Körper sein eigener, bester Apotheker ist und der Körper sich selbst die besten und erfolgreichsten Rezepte ausstellt.“ (Cousins, 1979)

Quellen:

(1) Aaron, A. (1997). Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit. DGVT-Verlag: Tübingen.

(2) WHO (1948). dt. Übersetzung der Verfassung der Weltgesundheitsorganisation. https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19460131/201405080000/0.810.1.pdf

(3) Schubert, C. (2011). Psychoneuroimmunologie und Psychotherapie. Schattauer: Stuttgart.

(4) Dispenza, J. (2019). You are the Placebo: Making your Mind Matter (9. überarb. Aufl.). Hay House Inc: USA.

(5) Schneiderman, N., Ironson, G. & Siegel, S.D (2005). Stress and health: Psychological, Behavioral, and Biological Determinants. Annual Review of Clinical Psychology 1: 607-628.

(6) Schandry, R. (2006) Biologische Psychologie. Psychologie Verlags Union: Weinheim.

(7) Glaser, R. & Kiecolt-Glaser, J.K. (2005). Stress-induced immune dysfunction: implications for health. Nature Reviews Immunology 5 (3): 243-251.

(8) Graham, J.E., Christian, L. M. & Kiecolt-Glaser, J.K. (2010) Stress, Age, and Immune Function: Toward a Lifespan Approach

(9) Marucha et al. (1998). Mucosal wound healing is impaired by examination stress. Psychosomatic Medicine 60(3): 362-365.

(10) Gouin et al. (2008). Immune Dysregulation and Chronic Stress Among Older Adults: A Review. NeuroImmunoModulation 15 (4-6): 251-259

(11) „Optimism boosts the immune system.“, https://www.sciencedaily.com/releases/2010/03/100323121757.htm, 07.04.2020

(12) www.psychiater-im-netz.org, „Chronischer Stress schwächt das Immunsystem,“ 2012. [Online]. Available: https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik- psychotherapie/ratgeber-archiv/meldungen/article/chronischer-stress-schwaecht-das- immunsystem/.

(13) https://mental-health-group.at/2019/10/29/bewegung-fuer-unser-gehirn/

(14) Blog Olympiazentrum Vorarlberg, „Du bist was du isst“. 2020 [Online]. Available: https://www.olympiazentrum-vorarlberg.at/expertenblog-beitrag/du-bist-was-du-isst-krisen-ernaehrung-fuer-ein-starkes-immunsystem/

(15) X. Zhuang, S. Rambhatla, A. Lai, J. McKeating, „Interplay between circadian clock and viral infection,“ J Mol Med, 95(12):1283–1289, 2017.